Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing – Teil 2


Mit unserem gestrigen Artikel, haben wir zunächst die Hürden betrachtet, die gelegentlich beim Festlegen – oder auch Finden – einer individuellen Meinung bewältigt werden wollen. Dass dieser scheinbar wenig beachtete Aspekt der Festlegung durchaus wichtig für uns Menschen ist, steht dabei außer Frage. Denn wir werden – meist mehrfach über einen Tag verteilt – nach unserer Einstellung gegenüber einer Sache gefragt.

Und nicht selten suchen wir auch häufig genug nach Anhaltspunkten in unserer Umwelt. Nicht zuletzt bietet uns das Internet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, die Meinung anderer zu recherchieren und diese in die eigene Gedankenwelt zu integrieren.

Um das etwas besser nachvollziehen zu können, haben wir uns gedanklich in die langanhaltende Epoche des Mittelalters gedacht. In einer Zeit der direkten Abhängigkeiten zu einer Obrigkeit, mussten sich auch die Barden einiges einfallen lassen, um zu überleben. Und hier wollen wir  wieder ansetzen, um einen Bezug in die Gegenwart und damit auch die immense Bedeutung der gesellschaftlichen Meinungsbildung etwas näher zu beleuchten:Das Fähnchen im Wind

Aus der Zeit des Mittelalters stammt wahrscheinlich die Überlieferung der Aussage „Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing“.

Wie andere Auffassungen auch, übertrug sich das Zitat und wurde bis in unsere Gegenwart überliefert. Vom eigentlichen Kontext gelöst und den heutigen Ausdruckformen angepasst, blieb die Essenz dennoch erhalten. Subjektive Realitäten, Glaubenslehren, historische Überlieferungen, Wissenschaft und Forschung verbanden sich schon zu allen Zeiten zu höchst interessanten Mischungen. Daher verwundert es kaum, dass es quer durch die Epochen und zu allen erdenklichen Themen, jede Menge Experten gab und gibt, deren Äußerungen zu einer Angelegenheit durchaus unterschiedlich ausfallen können.
Ein kleiner Blick in diverse Politrunden zu einem bestimmten Thema, mag dies untermauern. Wenn Sie darüber hinaus noch eine Art Presseschau zur Sache machen, stellen Sie sehr schnell fest, dass Meinungen kaum verschiedenartiger sein könnten.

Viele Menschen haben jedoch gar nicht die Zeit oder auch nicht die Muße, sich allumfassend zu informieren. Und gerade in unserer gegenwärtigen Ära der Informationsflut durch die elektronischen Medien, ist dies selbst für Profis eine echte Herausforderung. Jedoch gehört die klare Trennung von Wahrheit und Meinungsbildung mit zu den bedeutenden Aufgaben von uns allen. Denn wir sind es nun mal gewohnt, unsere Entscheidungen auf Grundlage eines Mindestmaßes an Information zu fällen.

Für unser Gehirn spielt die Art und Aufmachung des anzueignenden Wissens zunächst keine Rolle. Die Informationsverarbeitung findet, je nach kognitiver Wahrnehmung, immer ähnlich statt. Dieser insgesamt höchst komplexe Vorgang hat unter anderem den Grund, unsere Aufnahmefähigkeit vor einer Reizüberflutung zu schützen.
Komplizierter wird es, wenn wir einer Nachricht eine gefühlsmäßige Bedeutung zumessen. Wenn Sie beispielsweise eine Tageszeitung lesen und sich dabei einmal selbst ganz genau beobachten, können Sie wahrscheinlich feststellen, wie bestimmte Informationen eine Gefühlsneigung in Ihnen hervorruft. Vielleicht ist diese zunächst kaum wahrnehmbar. Doch je öfter Sie sich zukünftig aktiv oder passiv auf vergleichbare Informationen einlassen, desto eher merken Sie voraussichtlich, wie sich allmählich ein beinahe fassbarer Gemütszustand in Ihnen eingestellt hat.

Alles objektiv oder was?

Dies ist die Geburtsstunde Ihrer persönlichen Meinung. Um bis hierher zu gelangen, haben Sie im Laufe Ihres Lebens schon jede Menge Erfahrungen machen dürfen.
Der menschliche Verstand sorgt während der Meinungsbildung dafür, die zuvor aufgenommene Information, mit eben diesen Erfahrungen – und den damit verbundenen Gefühlszuständen – zu vergleichen. Wenn die Information nun mit Ihren schon gesammelten Erfahrungswerten, in einer bestimmten Größenordnung übereinstimmt, wird ein ihr ähnelndes Gefühlsmuster zugeordnet. Manche Menschen sprechen in diesem Zusammenhang von dem sogenannten „Schubladendenken“.

Diese Aussage können Sie ganz einfach überprüfen. In Folgenden geben wir Ihnen eine Schlagzeile, wie sie so oder so ähnlich in den letzten Tagen auch in der Presse zu vernehmen gewesen ist. Konzentrieren Sie sich während des Lesens doch einfach mal ganz auf sich selbst. Versuchen Sie zu beobachten, welches Gedankenkarusell plötzlich in Ihrem Kopf losgehen mag. Hier die Schlagzeile:

„Ratingagentur spricht Warnung aus und stuft Deutschland herab“

Zugegeben, wir hätten an dieser Stelle sicherlich jede Menge anderer Beispiele nehmen können. Sie werden jedoch sehr bald merken, worauf das hinausläuft.

Mit Überschriften, wie der in unserem Beispiel, sind die meisten Menschen in den letzten Wochen mehr oder weniger häufig konfrontiert worden. Erstaunlich dabei ist, dass wir in Zusammenhang mit bestimmten Nachrichten, kollektiv zu vergleichbaren Gefühlszuständen neigen. In diesem Fall ist es meist eine gefühlte Verunsicherung im Kontext der persönlichen Vermögenssituation und des Investitionsverhaltens. Je nach vorherrschender Stimmungslage, spiegelt sich das dann im sogenannten Konsumklimaindex wieder, welches in regelmäßigen Intervallen von diversen Instituten nachvollzogen wird.

Unsere Erfahrungswerte, die wir ja alle seit Kindesbeinen an gemacht haben und bis heute machen, nehmen bei diesem Vorgang eine ganz entscheidende Rolle ein.

Wichtige Bausteine unseres inneren Wertesystems stammen eben aus einer Zeit, in der wir selbst Kinder und Jugendliche gewesen sind. Anders formuliert bedeutet das, dass wir als junge Menschen zunächst mit den Einsichten unserer direkten Umgebung vertraut gemacht worden sind. Das war in aller Regel unser Elternhaus.
Sie werden es sicherlich schon erahnen: Primär basieren unsere ersten Lernerfahrungen auf dem Wissen eben jener Mixtur, die über Generationen modifiziert und überliefert worden ist.

Erst ab einem Alter zwischen vier und sieben Jahren, beginnt der menschliche Verstand mit der Ausbildung sogenannter kognitiver Filter. Mit zunehmenden Alter hinterfragen wir von nun an immer mehr und suchen nach Antworten in einem sich stets vergrößernden Umfeld. Dieser Prozess begleitet uns weit über die Zeit der Pubertät hinaus. In all diesen Jahren haben wir jedoch schon einiges über das Thema „Geld“ verinnerlicht.

Im nächsten Teil unserer kleinen Fortsetzungsgeschichte, legen wir einen Fokus auf die scheinbar alltäglichen Wahrheiten und wie diese offenbar ein Eigenleben innerhalb von Gesellschaften zu führen scheinen.

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