Teil 4 – Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing


Meinungsbildung gehört zu den großen Themen unseres Daseins. Ob bewusst oder unterbewusst – wir sind mehrfach über den Tag gefordert, unsere innere Haltung gegenüber verschiedenen Themen zu überprüfen, gegebenenfalls zu korrigieren oder auch neu zu beschließen. Dabei spielen äußere Faktoren (Influencer) eine maßgebliche Rolle, wenn es darum geht, sich festzulegen.

In unserer Blogreihe haben wir einmal einen Fokus auf die Abläufe gelegt, wie Einstellungen/Meinungen sich manifestieren können. Dabei haben wir sowohl auf der Ebene des Einzelnen wie auch des kollektiven Bewusstseins aufgezeigt, wie (un-) eigennützige Meinungsbildner ihren Einfluss geltend machen. Mit dem abschließenden Beitrag wollen wir den Kreis schließen und uns auch auf junge Menschen konzentrieren, die ja insbesondere damit beschäftigt sind, sich im Dschungel der (Meinungs-) Vielfalt zu orientieren:

 

Warum aber liegt mir so sehr an diesem Thema?

Hierfür gibt es mehrere Gründe. Da sind natürlich die eigenen Erfahrungswerte, die ich sowohl als Familienvater, Personalverantwortlicher als auch in meiner Eigenschaft als Lehrtrainer und Coach für Kinder und Jugendliche sammeln konnte. Quer durch alle Altersgruppen kann ich immer wieder die Beobachtung machen, dass sich Menschen selbst im Weg stehen. Das ist durchaus liebenswürdig gemeint, denn ich kenne solche Verhaltensweisen ja auch von mir selbst. Durch meine Entscheidung, beruflich einen ganz anderen, neuen Weg einzuschlagen und das Institut für Potenzialentfaltung (IPE) zu gründen, hatte ich jedoch auch das Glück mit meinen Glaubenssätzen in hohem Maße konfrontiert zu werden.

Und wie bei vielen Entscheidungen, die eine tiefgreifende Veränderung in den persönlichen Belangen des Lebens (auch der eigenen Familie) haben können, melden sich plötzlich ganz viele innere Stimmen, die einen zunächst davon abhalten wollen. Mehr noch: Manches Mal suchen wir sogar im Außen, um unsere – auf den eigenen Erfahrungswerten basierende Meinung – zu untermauern. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von der eigenen Komfortzone, die es in jedem Fall zu verteidigen gilt. Da sind die Verwandten, die von diesem oder jenem Schritt abraten, weil man nicht reif genug sei. Außerdem kennen sie einen entfernten Bekannten, bei welchem ein vergleichbares Vorhaben nicht gut geendet sei. Der beste Freund, die beste Freundin rät davon ab, eine bestimmte Fortbildung zu machen, da ja die Grundvoraussetzungen nicht stimmig seien. Darüber hinaus kennt er/sie noch einen Wissenschaftler, der eben diese Meinung auch vertritt. Unsere Kinder hören in der Schule, dass sie dieses oder jenes nicht gut genug beherrschen würden. Und dieses mangelnde Wissen, würde eben den Berufswunsch XY verbauen.

Sie merken sicherlich, was ich mit all dem zum Ausdruck bringen möchte: Wir selbst sind die Auftraggeber jener Barden, die das hohe Lied des einmal eingeschlagenen Weges singen. Es liegt also an uns selbst, welcher Stimme wir im Innern und auch im Außen Gehör schenken wollen.
Wenn es uns gelingt, Ursache und Wirkung eines Sprachrohres zu unterscheiden („Wer profitiert?“), ist es ein weiterer einfacher Schritt, jenem vermeintlichen Experten sein Mandat zu entziehen. Denn sowohl überstürztes Vorgehen in eine Richtung, wie auch das strikte Verneinen einer Absicht, ist selten bei einer Entscheidungsfindung hilfreich.

Wie aber kann es gelingen, den einen richtigen Weg einzuschlagen? Vor allem aber, wie kann mein Kind hiervon profitieren?

Wenn Sie sich die Ausführungen ein wenig zu Herzen nehmen wollen, ist es denkbar, dass Sie sich vor einer wichtigen Entscheidung weitere Fragen stellen. Es ist dann immer empfehlenswert, nochmals genauer hinzuschauen, was Sie eigentlich mit dem angedachten Vorhaben bezwecken wollen. Wo soll die Reise hingehen? Und in welcher Art und Weise können Sie selbst davon profitieren? Wie kann sich das geplante Vorhaben am geeignetsten in Ihr Leben integrieren? etc.

Nur Sie können Fragen, wie die hier exemplarisch aufgelisteten, am besten beantworten. Sie haben jedoch eine der wirksamsten Hilfen, mit der wir Menschen von Natur aus ausgestattet sind: Das Bauchgefühl. Dieses Korrektiv zeigt Ihnen mit Sicherheit an, wie sich eine anstehende Entscheidung im Kontext Ihres Lebens entwickeln kann. Nicht umsonst haben berühmte Philosophen wie Carl Gustav Jung, Baruch de Spinoza oder Edmund Husserl ausführliche Betrachtungen über die Intuition angestellt. Jung bezeichnete sie sogar als eine von vier psychologischen Grundfunktionen, die eine Wahrnehmung zukünftiger Entwicklungen mit all ihren Optionen und Potenzialen ermöglicht.
Dies ist sicherlich keine kognitive Herangehensweise – wohl aber eine höchst effiziente.
Der berühmte russische Schriftsteller Dostojewski sagte einmal treffend: „Man kann vieles unbewusst wissen, indem man es nur fühlt, aber nicht weiß.“
Wie bei Ihnen selbst, so verfügen auch Ihre Kinder über eine Intuition, die sich im Laufe der Entwicklung immer weiter ausprägen wird. Um Kindern das Vertrauen in die eigenen (Entscheidungs-) Fähigkeiten zu geben, ist es wichtig, dass sie über ein gesundes Selbstvertrauen (Resilienz) verfügen. Diese Eigenschaft zu fördern, ist sicherlich eine der wichtigsten Aufgaben.

IPE-Praxistipp:

  • Kinder und Jugendliche suchen Vorbilder. Diese finden sie zunächst in der Familie. Wenn Sie also selbst schnell aus dem Häuschen geraten, weil dies oder jenes sich anders als gedacht entwickelt, wird Ihr Kind diese Eigenschaft bald übernommen haben. Ermuntern Sie Ihr Kind über sich und seine Gefühle zu sprechen. Dabei können Sie mit gutem Beispiel voran gehen, indem Sie in Bezug auf gemeinsam erlebte Situationen, über Ihre eigenen Emotionen reden. Ihr Kind wird sich als ganze Person wahrgenommen fühlen und sich selbst viel besser reflektieren können.
  • Anerkennung ist ein wesentlicher Faktor bei der Entwicklung von Selbstvertrauen Ihres Kindes. Kinder unterscheiden sich dabei nicht von Erwachsenen. Unabhängig von Schwächen oder Fehlern, wollen wir um unser selbst willen geliebt werden. Bei Kindern ist dies ebenso.
  • Loben Sie Ihr Kind, wo immer es angebracht ist. Selbst der Versuch etwas in einer Sache (beispielsweise die mündliche Mitarbeit in der Schule) unternommen zu haben, wiegt gewichtiger als ein möglicher Misserfolg.
  • Wenn Ihr Kind in einer Angelegenheit Entscheidungsschwierigkeiten hat, sprechen Sie mit ihm über seine Wünsche. Versuchen Sie, die wahre Absicht dahinter zu erkennen und lenken Sie die Aufmerksamkeit Ihres Kindes darauf. Versuchen Sie äußere Einflüsse gemeinsam mit Ihrem Kind zu filtern und somit über den Kern der Sache reden zu können. Unterstützen Sie Ihr Kind bei der Umsetzung. Hier ist alternativ auch eine zeitliche Realisierung denkbar, wo Sie gemeinsam betrachten, wie sich der eingeschlagene Weg für das Kind entwickelt.
  • Stärken Sie die Stärken Ihres Kindes. Kaum ein Werkzeug ist für ein späteres Leben hilfreicher, als sich auf die eigenen Kompetenzen berufen zu können. Diese müssen aber zunächst entwickelt werden. Dafür probieren und experimentieren Kinder zu gerne. Da kann auch mal ein Schuss nach hinten losgehen. Ermutigen Sie Ihr Kind „aufzustehen“ und was Neues auszuprobieren. Wenn erforderlich, bieten Sie dafür Ihre Unterstützung an.
  • Ihr Kind ist einzigartig. Vermeiden Sie Vergleiche mit anderen Kindern oder gar den Geschwistern. Vergleiche untergraben die Selbstachtung und wirken demotivierend. Aber: Sucht sich Ihr Kind selbst den Vergleich, beispielsweise in einem sportlichen Wettkampf, sollten Sie es in jedem Fall gewähren lassen. Denn:
  • In Watte gehüllt, kann sich kein gesundes Selbstvertrauen entwickeln. Kinder brauchen Niederlagen, das Risiko und auch die Fehler in der Durchführung einer Sache. Wie sollten sie sonst lernen können? Auch hier ist es das fortwährende Ermuntern, welches Kinder dazu anregt, die eigenen Grenzen beharrlich zu erweitern.

Hier endet unsere Reihe über die Meinungsbildung. Gerne möchten wir Ihre Erfahrungen wissen. Wie geht es Ihnen mit den äußeren Faktoren? Wie gelingt es Ihnen sich auf die eigene Intuition zu fokussieren? Wie stark wirken zeitliche Ursachen (Stress) auf Ihre Entrscheidungsfindung? Welche bedeutende Entscheidung/Meinung haben Sie ganz bewusst für sich getroffen, ohne Dritte zu berücksichtigen? Wie gehen Ihre Kinder mit der (medialen) Meinungsvielfalt um? etc.

Schreiben Sie uns einfach einen Kommentar. Gerne auch auf Facebook, wo wir diese Artikel gleichfalls publizieren. Möglicherweise helfen Sie dmait anderen, sich besser und einfacher zu entscheiden. Vielen Dank.

Hier nochmals die vorangegangenen Artikel zum nachlesen:

Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing – Teil 1

Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing – Teil 2

Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing – Teil 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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