Teil 3 – Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing


In unserer Blogreihe betrachten wir den Vorgang der (persönlichen) Meinungsbildung. Wir haben zuvor dabei den Fokus auf die Vorgänge gelegt, die uns Menschen dazu veranlassen, Gegebenheiten zu bewerten. Die daraus resultierenden Schlussfolgerungen bilden somit die Grundlage, die Bestrebungen unseres Handeln in eine bestimmte Richtung zu lenken. Dabei spielen Emotionen eine herausragende Rolle. Schon von Kindesbeinen an, sammeln und bewerten wir Menschen alle erdenklichen Vorkommnisse. Dabei dienen uns zunächst die  Personen als Vorbild, die uns in den ersten Jahren unseres Lebens am nächsten stehen. Um das zu untermauern, haben wir Ihre Aufmerksamkeit auf einen scheinbar unmittelbaren finanziellen Lebensaspekt geführt. Und ohne Ihre tatsächlichen Gefühlsmuster hierzu kennengelernt zu haben, gibt es offensichtlich kollektive Erfahrungsmuster, die sich widerrum im Sprachgebrauch darstellen.

Spare in der Zeit, so hast Du in der Not

Es kommt daher nicht von ungefähr, wenn im Ländle „Häusle gebaut werden“, wofür im Vorfeld hart gearbeitet werden muss. In anderen Regionen wird der „Penny geehrt“, da man ja sonst keinen Wohlstand verdienen würde. So gibt es landauf, landab viele Meinungen zum Thema Finanzen, welche wir von zunächst nahestehenden Menschen bezogen und uns angeeignet haben. Alle haben jedoch die Tendenz gemein, dass Geld ein äußerst flüchtiges Wesen ist und sich lediglich unter bestimmten Voraussetzungen ein freundliches Stelldichein gibt.

Dermaßen fest in unserem Unterbewusstsein verankert, führen unsere Glaubenssätze ein beständiges Eigenleben. Und immer dann, wenn wir mit einem bestimmten Thema oder einer Variation dessen in Berührung kommen, steigen sie nahezu unbemerkt aus den Tiefen des Selbst empor, um uns bei der Meinungsbildung zu unterstützen. Das ist durchaus ein guter Prozess, denn viele unserer (überlieferten) Verhaltensmuster dienen dem Zweck des schadlosen Überlebens.

Doch kann man sich diesen Umstand auch zu Nutze machen, und daher greifen viele Medien solche Motive gerne auf. Mit entsprechenden Überschriften, generieren sie die notwendige Aufmerksamkeit.

Bad news are good news

Das können und wollen wir den Machern von Zeitungen und Nachrichtenformaten aller Art gar nicht zum Vorwurf machen. Denn es ist ihr gutes Recht, ihre wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie innerhalb des Wettbewerbs bestehen können. Zudem liegt es an uns selbst, ob und wie wir diese Nachrichten wahrnehmen möchten. Auch geht es uns nicht darum, Ihnen wohlgemeinte Ratschläge für Ihren persönlichen Umgang mit Geld zu geben. Vielmehr möchten wir hier die psychologischen Prozesse hervorheben, um diese einmal aktiv zu betrachten und damit eine der Grundlagen der persönlichen Meinungsbildung unter die Lupe zu nehmen. Das Subtile an der Sache ist, dass hierbei meist Emotionen ausgelöst werden, die die Antriebsfedern menschlichen Handelns berühren. Und von der Sorte gibt es gerade einmal zwei große Pole, von denen sich alle anderen ableiten: Freude und Angst.

Die Reise zum Ich

Meist geschieht es unbeabsichtigt: Jemand gibt Ihnen einen vermeintlich guten Ratschlag oder  äußert sich sehr deutlich zu diesem oder jenem Thema, welches für Sie gerade von Bedeutung ist. Ohne es zu wissen, verursachen die getätigten Aussagen eine bestimmte emotionale Reaktion, die unter Umständen mit der guten Absicht Ihres Gegenübers so gar nichts zu tun hat. Wie schon weiter oben in aller Kürze beschrieben, filtert Ihr Ich diese Aussagen und ordnet sie einer geeigneten Emotionsschublade zu. Der darauffolgende Verarbeitungsprozess animiert dann zu weiteren Handlungen. Vielleicht fühlen Sie sich dazu angeregt, weitere Informationen zu sammeln, die Ihrer Meinung nach für die Angelegenheit von Bedeutung sind.

Möglicherweise aber, ziehen Sie sich von Ihrem zuvor gefassten Vorhaben zurück und reagieren im Weiteren abweisend gegenüber dieser Thematik. Sie ziehen sich in das sprichwörtliche Schneckenhaus zurück. Ganz gleich, wie Sie in Folge agieren: Beide aufgezeigten Möglichkeiten sind Variationen der beiden psychologischen Fundamente, bestehend aus Freude und Angst.

Werfen wir doch noch einmal einen Blick auf unseren Barden: Sein Vorgehen, die Taten seines Brotherrn zu preisen, basieren auf einer ängstlichen Emotion. Denn es spielte gar keine Rolle, ob sich das Heldentum des Arbeitgebers überhaupt in dieser Form dargestellt hat. Verständlicherweise treibt unseren Künstler die pure Überlebenssorge an. Was er vielleicht gar nicht so genau wusste, ist aber die Tatsache, dass seine Dichtung für den Dienstherrn durchaus eine wichtige Funktion hatte. In einer Zeit, als die wenigsten Menschen weder lesen noch schreiben konnten, festigten solche Veranstaltungen dessen gesellschaftspolitische Macht. Der Sänger fungierte also als Sprachrohr seines Auftraggebers.

Auch wenn sich die Zeiten geändert haben, so gibt es auch heute jede Menge Menschen, die als Sprachrohr agieren. Wie schon gesagt, geht es nicht darum, hier unlautere Absichten zu unterstellen, sondern schlicht, um deutlicher zu erkennen. Gerade in einer Zeit, in der so unglaublich viele Informationen auf uns hereinstürmen, ist es wirklich schwierig herauszufinden, was lediglich der Meinungsbildung durch andere zuzuordnen ist. Und dann gilt es in diesem Zusammenhang noch einen weiteren interessanten Punkt zu betrachten…

Wenn die Fahne sich dreht, so ist die Ursache der Wind

 

Dabei gibt es einen ziemlich einfachen Trick um herauszufinden, was wirklich hinter einer Äußerung steckt. Sollte Sie ein Thema – aus welchen Gründen  auch immer – berühren und Sie nehmen plötzlich eine oder mehrere Aussagen dazu wahr, die Sie davon abhalten oder auch geradezu animieren, ein bestimmtes Vorhaben in die Tat umzusetzen, dann stellen Sie sich lediglich zunächst eine einzige Frage:

„Wer oder was hat etwas/profitiert von dieser Äußerung?“

Das hört sich simpel an und so ist es auch. In der Werbung beispielsweise, ist das schnell zu erkennen. Denn hinter der Botschaft steckt ja die Verkaufsabsicht. Die damit berührte Grundtendenz unserer Handlungsweise ist meist die Freude auf das Produkt oder die Dienstleistung. Wenn wir eine Zeitung aufschlagen und die Überschriften lesen, wird es schon etwas komplexer. Aber auch hier gilt: Wer hat etwas davon, dass diese Headline so verbreitet wird, wie sie gerade von Ihnen wahrgenommen wird?
Wenn Sie sich einmal eine gute Woche mit diesem Prozess der eigenen Beobachtung in Zusammenhang medialer Darstellungen hingeben, werden Sie möglicherweise zwei Dinge feststellen:

1. Sie reagieren wesentlich gelassener auf Nachrichten, die andere vielleicht aus der Fassung bringen.

2. Sie stellen fest, dass es viele Themen gibt, die Sie emotional so oder so mit Ihren inneren Erfahrungswerten konfrontieren und können so Ihre Glaubenssätze entlarven.

Beiden Punkten ist gemein, dass Sie in unter Umständen in einen Zustand gelangen, der es Ihnen erlaubt, wesentlich objektiver an bestimmte Entscheidungen heranzugehen. Und gerade das ist es, was in der heutigen Zeit so wertvoll ist: Der bewusste Rückzug auf die eigenen Bedarfe – das eigene Ich.

Der letzte Teil dieser Serie wird sich damit beschäftigen, warum es für uns Menschen so unglaublich wichtig ist, sich mit dem Thema der Meinungsbildung einmal genauer auseinander zu setzen. Wir spannen dann den Bogen zu den jungen Menschen, die in noch viel herausragenderer Weise mit diesen Vorgängen konfrontiert werden, da sie sich naturgemäß darin üben, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Wie wir als Erwachsene und Erzieher diesen Prozess begleiten und fördern können, erfahren Sie in daran anschließenden IPE-Praxistipps.

Hier finden Sie die vorangegangenen Beiträge zum Thema Meinungsbildung:

Wessen Brot ich ess – Teil 1

Wessen Brot ich ess – Teil 2

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