Kafkaesk


Daniel Paasch,
Leiter des IPE

Liebe IPEler und Freunde,

heute mache ich mal einen kleinen Ausflug über die Literaturgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Vorgestern (am 03. Juli) hätte der Prager Autor Franz Kafka seinen 100ten Geburtstag gefeiert. Möglicherweise wäre dem Schriftsteller selbst weniger nach Feierlichkeiten zu Mute gewesen, denn die Literaturhistoriker sagen dem Sohn einer bürgerlichen Kaufmannsfamilie ein etwas schweres Gemüt nach. Und dennoch: Böhmens berühmter Filius hatte eine Gabe, deren Genialität er selbst nur halbherzig nach außen getragen hat. Und vielleicht deswegen, liegt mir daran, einmal etwas genauer auf den Dichter František Kafka (tschechisch) zu blicken.

Die Themen dieses Newsletters im Überblick:

  • Kafkaesk – wenn Menschen ihre Potenziale nicht leben können
  • Erstes Bundestreffen 2012, in Münster – ein schöner Erfolg für das ganze IPE
  • Netzwerk-Neuigkeiten und Termine

Herzliche Grüße
Euer Daniel

Kafkaesk – wenn Menschen ihre Potenziale nicht leben können

Franz Kafka hinterließ zu Lebzeiten nur einige wenige Schriften. Genaugenommen waren es nicht mehr als eine Hand voll. Sein Freund Max Brod war es, der nach Kafkas Tod dessen unveröffentlichte Werke dem Publikum zugänglich machte. Und das, obwohl Kafka in seinem Nachlass zunächst etwas anderes verfügt hatte. Die Fragen, die sich mir in diesem Zusammenhang stellen sind: Was veranlasst einen Menschen wie Brod, sich über den Willen des bewunderten Freundes hinwegzusetzen und warum geht Kafka mit seinen eigenen Werken so kritisch ins Gericht.

Erstere der beiden Fragen ist schnell beantwortet. Max Brod war von den schriftstellerischen Qualitäten seines Freundes, der zu Lebzeiten viel bei dessen Familie zu Gast gewesen war, überzeugt. Er fühlte sich dafür verantwortlich, Kafkas Schaffen der Nachwelt zugänglich zu machen. Und der Verleger, dem auch die Entdeckung Franz Werfels zugeschrieben wird, hatte Recht. Kafkas Werke erlangten innerhalb kürzester Zeit internationale Reputation. Brod war also darauf bedacht, dass Kafkas Spuren in der Weltgeschichte mehr als nur eine flüchtige Bedeutung haben sollten.

Die Antwort auf die zweite Frage ist da schon etwas vielschichtiger. Kafka war von Ausbildungs- und Berufswegen her bei einer Versicherung tätig. Sein Tätigkeitsbereich umfasste die Sicherheitsbestimmungen der damals katastrophalen Arbeitsbedingungen der jungen industriellen Hochkultur. Er selbst bezeichnete seine Tätigkeit als reinen „Brotberuf“. Auch wenn sich im Weiteren seine Aufgaben etwas wandelten, so war seine Meinung über das, was er tat alles andere als glamourös: „Mein Dienst ist lächerlich und kläglich leicht…ich weiß nicht wofür ich das Geld bekomme“ (aus einem Brief an Milena Jesenská). Aus anderen Äußerungen leiten die Historiker sogar ab, dass Kafka seinen „Brotberuf“ nicht nur leidlich ausführte, sondern ihn vielmehr verabscheute.

Offensichtlich machte Kafka dafür etwas anderes sehr gerne: Schreiben.
Warum ihn diese Tätigkeit so faszinierte bleibt Spekulation. Wahrscheinlich aber ist, dass eines der Gründe hierfür in der Beziehung zwischen ihm und seinen Vater zu suchen ist. Ein solches Verhältnis würde man heute wohl als problembehaftet bezeichnen. Kafka nutze mutmaßlich das Schreiben als eine Art Ventil. Er manifestierte seine Erlebnisse und Wahrnehmungen. In der Erzählung „Die Verwandlung“ beispielsweise, beschreibt Kafka den Sohn und Protagonisten der Geschichte Gregor als Ungeziefer, dessen Leben nutz- und wertlos scheint. Er geht sogar so weit, dass er das Ableben des Sohnes als Erleichterung für die gesamte Familie darstellt. So zieht sich die wahrgenommene Übermacht des Vaters und das berufliche Wirken Kafkas fast quer durch alle seine Schriften.

Ich habe Kafka einmal repräsentativ für all diejenigen Menschen genommen, deren Beziehungen innerhalb des Elternhauses oder des weiter gefassten persönlichen Umfeldes nicht gesund sind. Sowohl unter den Künstlern wie auch innerhalb aller anderen Berufe, lebten und leben Menschen, die sich nicht entfalten können. Sie haben häufig mit Herausforderungen zu kämpfen, die sie daran hindern, ihre eigenen Potenziale zu entfalten. Der Begriff kafkaesk steht also für eine ausgelieferte Situation, ein Gefühl, gegen eine unsichtbare Autorität oder tiefere Macht nicht anzukommen.

Auch wenn ich hier sicherlich ein Extrem bediene, so ist es doch häufig so, dass diese kafkaesken Grundlagen in Kindheit und Jugend gelegt werden. Es ist dabei völlig unerheblich, ob es sich hierbei um das Elternhaus, einen fremdaufgebauten Erwartungsdruck oder schulische Angelegenheiten handelt. Kinder und Jugendliche sind in ihrer Wahrnehmung sehr sensibel. Im Gegensatz zu erwachsenen Menschen haben sie jedoch kaum die Fertigkeiten oder auch Methoden, um sich auf eine gesunde Weise zu behaupten. Daher bleibt ihnen zunächst nichts anderes als eine Strategie zu entwickeln, die darauf abzielt sich mit der Umwelt zu arrangieren. Und wie sich der Kreislauf dann fortsetzen kann, wissen wir nicht erst seit dem ersten IPE-Bundestreffen in Münster …

Ich möchte Euch gerne mit diesem kleinen Beispiel dazu ermuntern, Eure Fertigkeiten und Euren Erfahrungsschatz einmal mehr unter dem Blickwinkel des Möglichmachens zu betrachten. Als Kinder- und Jugendcoaches des IPE, verfügt Ihr über Werkzeuge, die es Euch ermöglichen, jungen Menschen Türen zu zeigen und diese zu öffnen, die diese aus ihrer Wahrnehmung heraus kaum realisieren (können). Mehr noch: Ihr habt gerade als IPEler die Handhabe, den Nachwuchs ein ganzes Stück ihres Weges zu begleiten. Durch Euer Wirken für und mit den Kids, eröffnet Ihr ihnen die unschätzbare Chance, sich zu eigenständigen, starken Menschen zu entwickeln, die es schaffen, mit allen denkbaren Herausforderungen des Lebens erfolgreich umzugehen.

Trotz aller Schwierigkeiten, die Kafka für sich gesehen hat, war er dennoch fähig in die schöpferischen und hilfreichen Aspekte des Lebens zu vertrauen. Denn er prägte unter anderem folgendes Zitat: „Der Gedanke, einmal in seiner Größe gefasst, kann nicht mehr verschwinden; solange es Menschen gibt, wird auch der starke Wunsch da sein, den Turm zu Ende zu bauen.“

Erstes Bundestreffen 2012, in Münster – ein schöner Erfolg für das ganze IPE

Prävention Sexueller Gewalt
Das IPE setzt Maßstäbe

An dieser Stelle möchte ich gerne meinen herzlichen Dank an alle Beteiligten aussprechen. Ich finde, dass unser erstes IPE-Bundestreffen eine mehr als gelungene Veranstaltung gewesen ist. Gerade durch die Vorträge zur „Prävention von Sexueller Gewalt“ oder auch von „Gewaltprävention unter Kinder und Jugendlichen“ im Allgemeinen, sind wichtige Informationen und Erkenntnisse weitergegeben worden, die uns alle in unserer täglichen Arbeit als IPEler weiterhelfen. Wie schon angekündigt, werden wir seitens des IPE alles daran setzen, unsere Reihen frei von möglichen Tätern zu halten. Dies geschieht in erster Linie zum Schutz der Kids. Jedoch auch für uns als Institution ist es von ungemeiner Bedeutung, dass wir Menschen mit entsprechenden Neigungen keine Gelegenheiten bieten.

Durch die lebendige und anschauliche Darstellung der beiden Themen, ist es Christa Sieber und Hans Rösner gelungen, zunächst vorurteilsfrei an die Sache heranzugehen und die entsprechenden Lehren zu ziehen. Hierfür Danke!

Mein Dank gilt darüber hinaus Ralf Maurer und Susanne Holstein. Mit Ihren Präsentationen zur Akquise und dem großen Thema AD(H)S, haben die Beiden nicht nur einen persönlichen Einblick in ihre (Tätigkeits-) Welt gewährleistet, sondern sie schafften es auch, einfühlsam und mit einer Brise Humor Berührungsängste zu mindern. Ich fand es geradezu genial, wie fesselnd beide ihre Informationen dargestellt haben.

Danke an alle, die im Hintergrund mitgewirkt haben, um das Treffen zu einem Erfolg zu verhelfen. Ich freue mich schon heute auf ein Wiedersehen möglichst vieler IPEler beim nächsten Gesamttreffen – diejenigen, die schon dazu gehören und denen, die hoffentlich noch zahlreich sich als Kinder- und Jugendcoach ausbilden lassen wollen.
Einige Eindrücke in Bildern gibt es hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.328603673889402.74987.178582105558227&type=3

 

Netzwerk-Neuigkeiten und Termine

Abschließend noch einige Hinweise und Termine, die für Euch selbst oder Bekannte Eurerseits interessant sein könnten:

  • Im August und September des Jahres finden noch zwei Übungswochenenden statt:
    • TRAINER-Übungswochenende in Berlin 03.08. bis 05.08.12
    • COACH-Übungswochenende in Bremen 31.08. bis 02.09.12

Hierzu sind natürlich alle zu den bekannten Konditionen herzlich eingeladen.

  • Es folgen dann noch einige Kinder- und Jugendcoachausbildungen. Auch hier: Nehmt gerne daran teil. Ihr habt die wertvolle Gelegenheit Eure Kenntnisse aufzufrischen und zu erweitern. Außerdem sind die Übungswochenenden und die Ausbildungsblöcke immer wieder gute Gelegenheiten, neue Menschen kennenzulernen und das eigene Netzwerk zu erweitern. Die genauen Termine und Orte entnehmt bitte der Webseite: http://www.potenzial-training.de/351

Bis zum nächsten PartnerNEWSletter, wünsche ich Euch allen eine gute Zeit. Ich freue mich wenn Ihr Euer Feedback oder Anregungen direkt an mich leitet oder einfach so von Euch hören lasst. 🙂

Beste Grüße
Daniel

 

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