Darf’s ein bisschen mehr sein?


In vielen Bundesländern hat die Schule bereits begonnen, in anderen steht Kindern und Jugendlichen der Ernst des Lebens wieder kurz bevor.

Hoppla, da haben wir mal wieder eine Formulierung, bei der mancher unter Ihnen vielleicht unbewusst innerlich zumammengezuckt sein mag: der Ernst des Lebens. Es scheint, als würden wir Erwachsene das Leben prinzipiell als freudlos empfinden. Wie kämen wir sonst auf den Gedanken, unsere Kinder immer wieder mit solchen Phrasen zu konfrontieren?

Fakt ist, dass die meisten unter uns, mit Beginn des neuen Schuljahres, wieder einem bestimmten Rhythmus folgen werden. Mütter und Väter mit schulpflichtigen Kindern müssen – neben den eigenen Verpflichtungen – ihren Alltag neu organisieren. Das ist vielfach mehr als nur anspruchsvoll. Dem Nachwuchs fällt es gleichfalls oft nicht leicht, sich wieder auf die Schule einzulassen. Umso mehr, wenn sich die Gedanken um Schwierigkeiten und Erlebnisse des Vorjahres drehen, die eigentlich noch gar nicht so recht verdaut worden sind.

Ergänzt wird die brisante Mischung aus eigener Erwartungshaltung und Unsicherheit in Bezug auf das Neue um die Sorge der Eltern, die sich um die Zukunft der Kinder dreht. „Wenn sich Moritz jetzt nicht ins Zeug legt, wird er nie einen guten Abschluss machen! Was soll dann aus ihm werden?“ Der Ernst des Lebens beginnt also oft sehr früh. So fürsorglich diese Gedanken auch sein mögen, so wenig hilfreich sind sie für Ihr Kind.

Schauen wir doch mal, ob wir ein wenig entspannter das neue Schuljahr beginnen können und üben uns in elterlicher Gelassenheit.

Deins bleibt deins.

Deine Erfahrungen - deine Welt.

Deine Erfahrungen – deine Welt.

Wir Eltern neigen zu einem wenig beneidenswerten Talent, nämlich unsere Erlebnisse und Erfahrungen auf das Leben unserer Kinder zu projizieren. Was uns einst – aus welchen Gründen auch immer – widerfahren ist, soll nach Möglichkeit Tochter oder Sohn zugutekommen.
Insbesondere die negativen Dinge lösen in uns einen Schutzmechanismus aus, der das Leben unserer Kinder nachhaltig prägen kann. Obgleich wir, ich nehme mich da ganz bewusst nicht aus, damit nur gut gemeinte und liebevolle Absichten hegen, beeinflussen wir die Entwicklung und damit die Persönlichkeit unserer Kinder nachhaltig. Denn wir enthalten ihnen auf diese Weise die fundamentale Gelegenheit vor, eigene Erfahrungen sammeln zu können.

 

 

Kein Vater und keine Mutter werden entspannt dabei zusehen können, sobald ihr Kind hinfällt und sich dabei die Knie aufschrammt. Wir würden aber auch nicht auf die Idee kommen und den wichtigen Prozess des Laufenlernens unterstützen wollen, indem wir das Kind permanent an den Händen fassen und Hindernisse aus dem Weg räumen. Schließlich wissen wir ja, dass das Hinfallen dazugehört, ebenso wie das Schulen der Aufmerksamkeit im Straßenverkehr.

Hier soll also nicht die Rede von Verhaltensregeln oder Vorsichtsmaßnahmen sein, die das Leben des Kindes (auch in dessen sozialem Umfeld) vor Schlimmeren bewahren könnten. Vielmehr geht es um unsere permanente Sorge, der Lauf des Lebens unserer Kinder würde über ungerade Wege direkt ins Verderben leiten, würden wir dem nicht entgegenhalten.

Vielleicht lässt sich das, was hier zum Ausdruck gebracht werden soll, mit einem Zitat des Genfer Philosophen, Schriftstellers, Pädagogen und Naturforschers Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) umschreiben:

„Lasst die Kindheit im Kinde reifen! Welche Belehrung es auch nötig hat, hütet euch, sie ihm heute zu geben, wenn ihr sie ohne Gefahr bis morgen aufschieben könnt!“

 

Eigene Erfahrungen machen Kinder selbstbewusster.

Eigene Erfahrungen machen Kinder selbstbewusster.

Wenn wir anfangen zu bewerten, tun wir dies auf Grundlage unserer eignen Erfahrungen. Das ist konsequent. Es sind aber immer noch unsere Erfahrungen und damit auch unsere Lehren, die wir daraus gezogen haben.

Würden unsere Kinder alles und jedes ein zu eins übernehmen, wären sie nichts anderes als eine Kopie unserer selbst. Somit wäre beispielsweise die Emanzipation vom Elternhaus kaum denkbar, geschweige denn, dass sich Gesellschaften weiter entwickeln würden.

 

 

 

Praxistipp:

Erfahrungen bilden einen wesentlichen Kern unserer Identität. Nehmen wir uns als Eltern ein wenig mehr zurück, gestatten wir unseren Kindern, ihre eigenen Erfahrungen zu machen und daraus ihre Lehren zu ziehen. Das ist nicht immer einfach. Bieten wir uns aber frühzeitig eher als Gesprächspartner und Berater, als bevormundende Eltern an, stärken wir das Selbstwertgefühl unserer Kinder und vertiefen gleichzeitig die Bindung zu ihnen.

 

Hauptschule? Was ist das?

Sich in Gelassenheit zu üben, ist manchmal gar nicht so einfach. Insbesondere dann, wenn wir unseren Kindern möglichst viele Chancen für ihren weiteren Lebensweg eröffnen wollen. Viele Eltern vertreten die Ansicht, dass hierfür zumindest das Abitur vonnöten sei – komme da, was wolle. Und obwohl die Empfehlung für eine der weiterführenden Schulen das Gymnasium nicht berücksichtigt, wird der pädagogische Rat auch mal ignoriert.

Laut Statistischem Bundesamt wechselten zum Schuljahr 2014/2015 von den 661 600 Grundschülerinnen und Grundschülern 40 Prozent nach der vierten Klasse an ein Gymnasium und 17 Prozent an eine Realschule. Weniger als die Hälfte der Schüler besuchten andere Schultypen, wie Haupt-, Förder- oder Freie Waldorfschule.[1]

In vielen Bundesländern entscheiden letztlich die Eltern über den weiteren Bildungsweg ihrer Kinder und nehmen dabei auch in Kauf, dass der Lerndruck beständig zunehmen wird.
Vielfach bekommen wir dann zu hören, dass die Tochter oder der Sohn nicht mehr in der Schule mitkommen würde und die Motivation zu wünschen übrig lasse und das, obgleich sich doch das Kind damals gleichfalls für diesen Weg entschieden habe.
Mir stellt sich dann die Frage, wie sich denn ein Kind sonst hätte entscheiden sollen. Kinder lieben ihre Eltern – bedingungslos. Auch wenn man einem Grundschüler die Wahrheit sagt und ihn über die Fakten der zukünftigen schulischen Anforderungen aufklärt, kann es oft gar nicht abschätzen, was da auf es zukommt. Zu bedenken ist daher, dass die elterliche Entscheidung weitreichende Folgen nach sich ziehen kann.

Alleine im Schuljahr 2010/2011 wurden 50.000 Schüler auf eine niedrigere Schulform geschickt, weil sie den Ansprüchen des Gymnasiums nicht gerecht geworden sind.[2]
Die Botschaft, die bei den Kindern und Jugendlichen dabei ankommt, lautet: Du bist nicht gut genug und daher gescheitert. Soll sich doch eine andere Schule mit dir herumschlagen.
Für die Seele eines jungen Menschen ist das ein Schlag ins Kontor, dessen Auswirkungen wir als Erwachsene nicht abschätzen können. Wir wissen aber, dass niemand ein Versager sein möchte.

Niemand möchte ein Versager sein.

Niemand möchte ein Versager sein.

Praxistipp:

Übertriebene Sorgen und Ängste sind selten gute Berater, wenn es darum geht, Entscheidungen treffen zu müssen. Schon gar nicht, wenn es um die Zukunft unserer Kinder geht. Sprechen Sie in Bezug auf eine Schulempfehlung lieber einmal mehr mit den pädagogischen Fachkräften als zu wenig. Einen höherwertigen Abschluss zu machen – also ein Upgrading – ist immer noch möglich und machbar. Viele Gymnasien bieten inzwischen auch eine „Probezeit“ an, in welcher sich das Kind ausprobieren kann.
Auch sollten wir uns immer mal wieder vergegenwärtigen, dass wir keine Hellseher sind. Auf diese Weise entkräften wir die sorgenvolle Stimme in uns, die uns gelegentlich die Zukunft unserer Kinder in den dunkelsten Farben ausmalen will.

 

Und bei dir?

Erinnern Sie sich noch daran, als Sie selbst noch ein Kind gewesen sind und Ihre Eltern beim Einkauf begleitet haben? Möglicherweise hat Sie die Verkäuferin beim Metzger auch gefragt, ob Sie eine Scheibe Wurst haben möchten, die sie Ihnen dann mit einer Gabel, tief über den Tresen gebeugt, gereicht hat. Für mich war das immer ein Highlight.

Mit großer Wonne habe ich mit meinen kleinen Händen die Wurst gegriffen und in den Mund geschoben. Während ich mit vollen Backen kaute, konnte ich das weitere Geschehen genau beobachten. Die Verkäuferin wandte sich wieder meiner Mutter zu, wog den Schinken ab, um wie immer festzustellen, dass das Gewicht ein wenig über der gewünschten Menge lag – JEDES MAL!
Ich war fasziniert davon, wie sie das immer machte, wusste aber auch, was die Dame nun fragen würde: „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ Klar durfte es das. Die paar Gramm würden die Haushaltskasse schon nicht weiter belasten.

Darf's ein bisschen mehr sein?

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Wenn vom Loslassen die Rede ist, setzt das voraus, dass wir in unsere Kinder ein Höchstmaß an Vertrauen entwickeln können. Vertrauen darin, dass sie eben doch ihre Hausaufgaben korrekt machen, sich am Unterricht beteiligen oder sich in ihrer Freizeit mit mehr als nur dem Computerspiel beschäftigen. Vertrauen zu haben, bedeutet aber auch, dass wir zunächst in uns selbst investiert haben. IN UNS??

Ja sicher. Wir können nur das vermitteln, was wir auch selbst leben. Der für sich stehende Erfahrungswert alleine hilft niemandem weiter – Ihnen nicht und ebenso wenig Ihrem Kind. Kinder und Jugendliche übernehmen Verhaltensweisen schneller, die für sie veritabel sind. Verhaltensimitationen werden schnell enttarnt.

 

Praxistipp:

Wenn Sie mit Kritik, Niederlagen oder Frustrationen nicht umgehen können, wie sollte es dann Ihr Kind können?
Sobald Sie mal wieder feststellen sollten, dass Ihr Selbstwertgefühl ein wenig der Pflege bedarf, nehmen Sie sich bitte auch die Zeit dafür.
Es braucht nicht viel, um zu überlegen, was Sie in Ihrem Leben bereits alles geleistet haben oder welche zunächst scheinbar unüberwindbaren Untiefen durch Ihren persönlichen Einsatz in einen persönlichen Erfolg verwandelt wurden.
Diese Leuchttürme des Lebens verschaffen Ihnen binnen weniger Augenblicke ein besseres Gefühl. Es ist wie eine Investition in Ihr Ego, die sich auszahlen wird. Getreu dem Motto: Darf’s ein bisschen mehr sein? – Klar darf es das.

Was für Sie gut ist, hilft auch Ihren Kindern. Trainieren Sie gemeinsam, die Leuchttürme des Lebens zu finden und sich an diese zu erinnern. Legen Sie ein Album an (gerne auch auf dem PC oder dem Smartphone) und geben den Erinnerungen ein adäquates Bild. Schreiben Sie ein paar Stichpunkte oder Sätze auf, die das Erlebnis wieder präsent werden lassen. Fühlen Sie sich mit Ihren Kindern in die diese Erinnerungen ein – erleben Sie sie immer und immer wieder. So trainieren Sie die eigene Resilienz und die Ihrer Kinder.

 

Neues aus dem IPE:

Paasch_webDie Ausbildung zum IPE Kinder- und Jugendcoach wird Ihnen nicht nur das Wissen vermitteln, wie Sie junge Menschen tatkräftig und wirkungsvoll in zahlreichen Lebenslagen unterstützen können. Sie werden vor allem sich selbst besser kennenlernen. Wie ich das meine?

Jeder von uns hat seinen ganz eigenen Rucksack, den er im Laufe seines Lebens mit verschiedensten Themen angefüllt hat. Probleme, Herausforderungen nicht bewältigte Situationen – alles kann dabei sein.

In unseren Seminaren praktizieren Sie sehr intensiv die Methoden und üben diese mit den anderen Teilnehmern. Es ist eine einmalige Chance, in einem geschützten Rahmen endlich alle Dinge anzugehen, die Sie daran hindern, voranzukommen. Sie erleben selbst die wirkungsvollen Methoden und Techniken. Das garantiert, dass Sie bei Ihren Klienten dann auch genau wissen, was zu tun ist und welche Möglichkeiten sich noch bieten.
Es ist, wie es im Newsletter schon angeklungen ist: Wir können nur das vermitteln, was wir selbst er- und gelebt haben. Das macht letztlich einen guten Coach aus.

In 2016 haben wir nur noch begrenzte Seminarplätze zur Verfügung. Sichern Sie sich Ihren Platz auf: http://www.kinderjugendcoach-ausbildung.de/

Auf http://www.ipe-teilnehmerstimmen.de/ finden Sie zahlreiche Eindrücke unserer bisherigen Teilnehmer. Übereugen Sie sich selbst.

 

Das neue Buch von Dory Bacher

Neu im IPE-Verlag

Dory Bacher ist nicht nur ein sportbegeisterter Mensch. Vielmehr wusste er bereits sehr früh um seine Passion, mit Kindern und Jugendlichen arbeiten zu wollen. Da lag es schließlich auf der Hand, das eine mit dem anderen zu verbinden. Denn nirgendwo erreicht man mehr Kids als auf dem Sportplatz. Daher studierte er Sport- und Bewegungswissenschaften, um seinem großen Ziel näher zu kommen. Während seines Studiums reiste er für ein Projekt nach Südafrika –  genauer: in ein kleines Dorf namens Parkwood. Ab hier beginnt eine

Eine Reise, die mein Leben veränderte.

Eine Reise, die mein Leben veränderte.

Reise, die von nun an sein ganzes Leben beeinflussen sollte. Geprägt von Begegnungen mit ganz besonderen Menschen aber auch landschaftliche Eindrücke lassen den Leser hautnah miterleben, wie intensiv das Leben sein kann und wie zukunftsweisend sich selbst kleinste Begebenheiten in das Große und Ganze einfügen.

Dieses Buch ist ein Muss für jeden, der sich den Blick für die Wunder des Lebens bewahrt hat oder neu entdecken möchte.

Für nur 14,90 EUR können Sie sich das Buch bei uns portofrei bestellen.
http://www.potenzial-training.de/274/shop

 

 

 





Quellenangaben:

Literatur:

[1]
: https://www.destatis.de

[2] http://www.bertelsmann-stiftung.de/de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/pid/fuer-schueler-gehts-oefter-runter-als-rauf/)


Bildquellen:

Boy riding a bicycle try to jump over a chasm. Self overcome; Datei: #105642263; Urheber: ©psychoshadow bei fotolia.com

Starker Junge, freigestellt; Datei: #63707194, Urheber: ©coldwaterman bei fotolia.com

Gesunde Ernährung für Kinder; Datei: #51259138; Urheber: ©playstuff bei fotolia.com

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